Wenn der Kopf mehr Körper braucht

„Mens sana in corpore sano“

(ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) – so stand es über der Eingangstür meines Gymnasiums.

An diese Aufschrift mußte ich denken, als ich bei OVERW8 als Kundin mit einer Ayurveda Blog Inhaberin zu tun hatte und mich daher natürlich mehr ins Thema einlas. Ein wesentlicher Gedanke des Ayurveda ist es, Menschen nicht generell über einen Kamm zu scheren, sondern zu sagen:

„Offensichtlich gibt es verschiedene Sorten Menschen. Je nach Sorte tut denen etwas anderes gut oder nicht so gut.“

Eine dieser Sorten ist sehr ‚feuer-getrieben‘: Wenn bei dieser Art Menschen in Kopf / Geist viel passiert, dann brauchen sie zum Ausgleich eben NICHT Ruhe, Entspannung, Wellness und Co., sondern das Gegenteil:

Richtig viel Bewegung mit viel Power.

Der lateinische Spruch provoziert ja das Bild von zwei ausgeglichenen Elementen: Dort der gesunde Geist, hier der gesunde Körper. Zwei gleichberechtigte Elemente. Das eine bedingt das andere.

Bestimmt war NICHT gemeint:

„Ein wenig gesunder Körper reicht für jede Menge vielbeschäftigten Geist.“

😉 Der Ansatz des Ayurveda schien mir einleuchtend: Wenn in Hirn und Geist viel los ist, sollte parallel körperlich auch einiges los sein – so kann für den nötigen Ausgleich gesorgt werden.

Nun hatte ich ja bereits 2005 meine aktive Yoga Phase inkl. Yogalehrer-Ausbildung etc. gestartet und jede Menge Methodik auf der Seite von „Dinge mal ruhiger angehen“ etc. ausprobiert. Einiges hatte gut getan. Anderes fand ich eher so „Theorie statt Praxis“.

So kam es, dass ich stutzig wurde:

„Was wäre, wenn das hier eine wahre Geschichte über mich wäre?“

Was, wenn ich genau das brauche?

Mehr und intensivere Körper-Aktivität als Gegenpol für die viele und intensive Aktivität in meinem Hirn/Geist?

Was, wenn ich so eine hindernde Geschichte über *übertriebenes Training* über ‚Überanstrengung‘ in meinem Kopf habe, die mir überhaupt nicht hilft?

Was, wenn ruhigerer ‚Ausgleich‘ für mich gar kein Ausgleich ist?

Ihr ahnt es schon:

Ich bin es ausprobieren gegangen.

Eines Tages beim Schwimmen, da dachte ich also:

Warum verf*** nochmal sollte ich nicht in der Lage sein, einfach mal 1500 durchzukraulen?

Was bitte soll hier passieren?

Notfalls hab ich einen Krampf… ok, dann muss ich halt aufhören.

Ich werde schon nicht im Freibad ersaufen.

Es ist SICHER, es zu tun.

Und dann habe ich es einfach getan.

Nach diesem ‚Durchbruch‘ sind mein Mann und ich einfach dran geblieben. Heute weiss ich, dass ich aus dem Stand 2,5 km kraulen könnte, wenn ich wollte.

Zur Einordnung: Wir reden da übrigens davon, dass ich vor einigen Jahren einen Schulteranbruch hatte, von dem es hieß, davon erhole man sich nie wirklich mehr.

Hehe. LACH.

Ein paar Trainerstunden sorgten dafür, eine bessere, effizientere Kraultechnik zu lernen. Das wiederum versetzte mich in die Lage, etwas zu tun, mit dem ich schon lange geflirtet hatte:

Im Atlantik vor dem alten Hafen von Biarritz schwamm ich die (für mich zumindest) mutige Runde hinüber zu den großen Felsen.

Kraftvoll und mächtig hat es sich angefühlt, das einfach so tun zu können.

Vorher hatte ich die Leute vom örtlichen Schwimmclub immer dafür bewundert – jetzt konnte ich das auch.

Diese Anstrengung gab mir neue Energie – und zwar viel davon!

Da war natürlich noch lange nicht Schluss… 😉 Im letzten Herbst kam ich auf die Idee, anderweitig zu schauen, was hier sportlich / körperlich noch so geht.

Der Ansatz:

Pragmatisch. Im Turnverein. Um die Ecke. Das Machbare tun.

Um es noch machbarer zu machen, hab ich mir was ‚Krasses‘ erlaubt:

„Ja, ich darf im Auto runter fahren, nein, ich muss nicht im Regen bei 4° da runterlatschen“.

Im Ernst: Solch kleine Änderungen können alles verändern!

Woche für Woche habe ich mir vorwärts getastet in eine größere Regelmäßigkeit, die trotz langer Arbeitsstunden hinhaut. Inzwischen reden wir von 180 Intensitätminuten in der Woche, mit denen ich plane (meine Garmin Fenix S ist mir da ein treuer Sportkumpel).

Klar, es klappt nicht immer.

Nichts und niemand und schon gar nicht ich und mein Leben und seine Planung sind perfekt. Doch meistens bin ich nah dran, manchmal sogar drüber.

Was hilft, dranzubleiben

Die folgenden Gedanken und Erkenntnisse sind die, die mir geholfen haben, es mitten so im Unternehmer-Alltag durchhalten zu können.

Schwitzen, Triefen, Stöhnen: Erlaubt.

Tja, das klingt vielleicht doof, doch anfangs war das ungewohnt: Schwitzen. Massives Schwitzen. Sich nicht mehr Drumscheren, wie Du aussiehst, weil es wirklich ohnehin wurscht ist und alle anderen ohnehin genauso ausgewrungen sind wie Du.

Platt ist nicht gleich platt

Wenn das Hirn platt ist, ist es der Körper noch lange nicht. Wenn ich abends gefühlt ‚platt‘ bin, ist es in Wahrheit meist mein Hirn, das platt ist. Mein Gesamtsystem schließt daraus etwas Falsches – es ‚denkt‘, es sei insgesamt platt. Tatsächlich sind meine Beine, Arme etc. aber eher noch unterlastet. Ihnen zum Abschluß des Tages auch was zum Arbeiten zu geben, das ist leichter als man meint.

Act before you think

Den Spruch habe ich bei Marie Forleo gehört – ich finde ihn irre nützlich. Wie oft fängt man an, mit sich selbst zu verhandeln, ob man jetzt in den Sport geht oder nicht? In dem Moment eingreifen wie freundlichstrenge Eltern, das ist es, was dann funktioniert.

„Denk nicht nach. Zieh einfach die Schuhe an. Danach wirst Du Dich besser fühlen.“

Yin / Yang

Ja, es gibt (wie auch in meinem Buch über Innovation beschrieben) überall im Leben Aufs und Abs. Es gibt die Wochen, in denen ich Bäume ausreißen könnte und es auch getan habe. Und manchmal geht eben nicht so viel. Das ist ok. Hauptsache, man bleibt dran.

Ziele locker überwachen

Manchmal gibt es einfach Tage, da komme ich um einen 12h Arbeitstag nicht drum rum. Ich habe auch keine Lust mich dafür zu rechtfertigen, immerhin will ich was Gutes aufbauen und das ist mit 9-5 nicht zu haben. Ich will es so. Daher schaue ich hauptsächlich darauf, über den Verlauf einer Woche hinweg auf genug Bewegung zu bekommen.

Keine Gefangenen machen

Wichtig auch: Ohne Zicken und Perfektionismus den Sport ’nehmen‘, der eben grade geht. Evtl. sind es die Fitnessstunden oder die Laufrunde oder oder eben sogar das verpönte YouTube Video.

So what!? Es ist wurscht, denn…

Any training is good training

(also, solange es nicht technisch Bullshit ist)

via GIPHY

Erforderliche Willenskraft reduzieren

Etwas wie die Trainerstunde im Turnverein sorgt dafür, dass Du die Willenskraft von außen appliziert bekommst. Deswegen funktioniert das selbst am Ende eines Tages noch recht gut, wenn der Tank Deiner Willenskraft schon durch ist.

Ich lasse mich da gern ‚einpeitschen‘ und genieße es regelrecht, mal nicht der Treiber / Gestalter eines Prozesses zu sein. Nein, nicht jedes Training finde ich toootal super – muss ich auch nicht, denn meinem Körper ist das ziemlich wurscht solange er „raus zum Spielen“ darf.

Man ver- und unterschätzt sich massiv

Interessant war auch zu sehen, was man so als Mensch, als ‚Viech‘ 😉 so aushält. Ja, Sport bei ordentlich Hitze, das ist möglich.

Am Anfang war ich schockiert zu sehen, wie selten mein Puls über 130 kam – gleichzeitig sehr interessant, wieviel höher der Anspruch an den Körper ist, sobald es z.B. beim Laufen an Steigungen geht.

Um hier besseren Überblick zu kriegen kann ich eine gescheite Tracking Uhr wie die von Garmin sehr empfehlen.

You can’t manage what you can’t track

Auweh, damit hatte ich am Anfang so meine inneren Kämpfe: Die Sportuhr und ihre Tracking-Möglichkeiten. Ständig hat sich mich angeschissen, ich soll meinen Hintern bewegen. Vom Handy wurden die ganzen Notification da rübergeschubst.

Ich wollte meine Freiheit wieder!

Wie mit so vielem ’neumodischem‘ Kram war es wichtig, selbst das Zepter in der Hand zu behalten: Die Notification habe ich inzwischen ausgestellt, ich trage die Uhr bei weitem nicht immer, beim Sport allerdings meistens. Die Auswertungen über aerobe/anaerobe Trainingseffekte finde ich sehr spannend, den Puls behalte ich oft im Blick, beim Sport selbst vergesse ich das Tracking oft einfach, achte nicht mehr darauf. Die Intensitätsminuten über die Gesamtwoche – das ist meine Haupt-KPI.

Hart – ja. Aber möglich.

Im Urlaub hatten mein Mann und ich uns bei einem recht sportlichen Cross Fit Studio vor Ort angemeldet. Junge, waren / sind die Mädels und Jungs da fit! Gut, ich habe mich dort Klippentreppen hoch und runter jagen lassen, bin bei 36 Grad in einem Gewerbegebiet um die Fabrikhalle gesprintet, habe mit Gewicht in der Hand ca. 1500 Russian Twists gemacht (ok, gefühlte Wahrheit! ;)).

Hätte ich das hier, würde ich es wieder tun?

Auf jeden Fall! Sich richtig auspowern, das tut einfach gut.

Dort hinten bei der Anstrengung, da liegt die Ahnung unserer wahren Stärke.

Von innen statt von außen

Nicht zuletzt erlaubt der Ayurveda Gegen-Gewichts-Gedanke etwas Wesentliches:

Hier geht es nicht um verbrauchte Kalorien.

Die Optik im Spiegel während und danach ist wurscht.

Hier geht es darum, einen Bedarf von innen zu decken.

Dass sich dabei eine bessere Muskulatur etc. entwickelt – fein. Netter Nebeneffekt.

Diese Einstellungen machen es mir sehr viel leichter, den (unperfekten) Weg als Ziel zu genießen und dranzubleiben.

Positive Nebenwirkungen galore

Was ich wahrhaftig großartig finde, sind die vielen schönen Nebenwirkungen.

  • Z.B. konnte ich eine echt anspruchsvolle Gletscherabfahrt diesen Winter als Abenteuer genießen, weil ich wußte:

„Diesen Schmalz in den Beinen, den Du hier brauchst, den hast Du.“

Super Gefühl, sich da auf sich selbst und seine Kraft verlassen zu können.

  • Meine Haltung ist deutlich besser (ich sag nur: Schreibtischtäterei).
  • Ganz nebenbei ist (wie von Gary Player ständig betont) eine gute Core Muskulatur fürs Golfspielen (das im Gegensatz zum Gerücht tatsächlich ein SPORT ist ;)) ausgesprochen hilfreich. Wenn der Ball so richtig schön mit Speed weg-zappt, das macht richtig Freude.

Echter Aus-Gleich

Ist das nicht erstaunlich?

Diese eine neue Annahme, diese andere Ansatz hat bei mir zu einer ganz wesentlichen Verbesserung in meinem Leben geführt.

Ein ebenso gutes wie frappierendes Beispiel, welch großen Einfluß hilfreiche oder eben nicht hilfreiche Glaubenssätze oder Geschichten, die wir uns erzählen bzw. für ‚die Wahrheit‘ halten, auf unser Leben haben.

Die höhere köperliche Aktivität sorgt bei mir für ein sich gesund anfühlendes Gegengewicht zu dem, was in meinem Kopf als Inhaberin von OVERW8 mit extrem unterschiedlichen Kunden, Projekten, Themen so los ist.

Das muss – s. Ayurveda / „jeder ist anders“ – eben nicht für jeden so sein.

Wichtig ist nur, sich selbst immer wieder neu auszuprobieren, zu verproben, was für uns WIRKLICH funktioniert – und das muss nicht immer die platte Allgemeinlösung sein. Für mich hat sich das hier sehr gelohnt.

Was funktioniert für Dich wirklich gut?

Wo hast Du so Deine Zweifel? Was machst Du nur, weil ‚man‘ es zur Zeit halt so macht? Wo weicht Deine Wahrheit evtl. doch von allgemeiner Meinung ab?

Falls Du das schon getan hast: Was hast Du über Dich und das, was für Dich wirklich funktioniert, herausgefunden? Wer oder was hat Dich dazu inspiriert?