„Mind the Gap“: 4 Ansätze für mutlose Situationen

Entnervte Freundin am Telefon:

„Boah, meine Mutlosigkeit geht mir inzwischen sowas von auf den Senkel!“

Sicher, bei ihr ist ‚an sich‘ alles gut, ein spannender gutbezahlter Job steht vor der Tür. Klar, losgegangen in Richtung „Neue Welt“ ist sie schon – noch ist sie allerdings nicht ganz in der neuen Welt angekommen. Eine Situation, in der wir sprichwörtlich „in der Luft hängen“. Der Boden unter den Füßen ist im Sprung verlassen – neuer Boden unter den Sohlen noch nicht wieder da. Da fehlt Struktur in der Woche, das Gefühl, in jedem Tag etwas zu ‚reißen‘, stattdessen drängeln sich Verpflichtungen wie Behördenkram nach vorn. Tätigkeiten, die als einzige Rückmeldung haben:“Oh, ich bin ein Amtsschimmel geworden – und nicht mal besonders gut darin.“ (und warum sollte man das auch sein wollen? LOL).

Die Situation des Noch-nicht-da-Seins aber Schon-nicht-mehr-dort-Seins,

einer fehlenden Struktur und was das im Hirn macht – in über 10 Jahren Unternehmersleben kenn ich das allzugut. Was Spannendes liegt – vielleicht – vor einem. Wer will wissen, ob das wirklich gut und erfolgreich wird? Das ist ja das Blöde: Keiner kann es WISSEN, es ist letztlich immer ’nur‘ eine Art „Best Guess“.

Mit meiner Agentur OVERW8 bin selbst derzeit wieder in so einer Phase:

Ein erstrebtes Level haben wir gut erreicht, wir sind jetzt auf dem Weg zu einem nächsten Level – aber eben NOCH NICHT dort.

Da muss der Wagen erstmal ins Fahren kommen – und bis das der Fall ist, kostet das Anschieben (und das ist es wörtlich) und das Sich-selbst-Immer-Wieder-Anschieben einfach Kraft. Auch hier „hängen“ wir noch in der Luft.

Was tun also?

4 Punkte stehen da auf meiner Selbstcoaching-Liste:

Kompetenz, Erdung, Kreativität, Inspiration

Kompetenz

Erstmal braucht es Tätigkeiten, in denen man sich fähig fühlt, in denen ein Gefühl von Machbarkeit und von sichtbarem Fortschritt aufkommt. Häufig simple Sachen – extensives Gärtnern, Backen, Kochen. Am allerbesten etwas, bei dem einem sonst keiner reinpfuschen kann, darf, muss. Und das innerhalb einer absehbaren Zeit schon einen sichtbaren Effekt bringt. Bei mir funktioniert das mit dem Gärtnern sehr gut (so ein Balkon kann ja innerhalb von 2 Stunden wieder attraktiv daherkommen :)). An sich ist völlig wurscht, was es ist. Einzig das Gefühl innendrinnen zählt:


„Da geht was. Seht her, ich bringe offensichtlich was voran. Ich habe Einfluß genommen.“

Erdung

Die Kraft, der Arbeitsspeicher, den Veränderung braucht, ist nicht zu unterschätzen. Veränderung ist Leistungssport. Wie auch beim Sport gehören Erholungsphasen dazu, um wieder aufzutanken. In einer Phase starker Veränderung oder aktiver Gestlatung braucht es daher zum Ausgleich schlichtweg Wurzeln, Erdung, in den Arm genommen werden.

Also ab an den Stammtisch ?

In gewisser Weise ist natürlich der Gang an den Stammtisch, in das „Cheers“ Gefühl, die logische Gegenmaßnahme.

Hier wird’s allerdings tückisch:

Wie soll man sich in diese ‚Heimat‘ zurückziehen können, wenn es sie evtl. so gar nicht mehr gibt?

Weil die Veränderung damit zu tun hat, dass Du Dich aus Deinem alten Umfeld ja rausentwickeln wolltest?

Meiner eigenen Erfahrung nach hilft da nur „innere Heimat“ – wo auch immer das ist. Nenn es ‚Kraftorte‘, nenn es ’spirituelle Heimat‘ – auch hier zählt nicht, was der Rest der Welt davon hält, sondern nur, ob es sich für DICH als Wurzel, Kraftgebend, Verschnaufend, Auftankend anfühlt.

Geh beten, meditieren, fahr an den Lieblingsplatz Deiner Kindheit, tu das, was sich für Dich nach Heimat anfühlt.

Kreativität

Interessanterweise ist diese innere Heimat alternativ oder ergänzend dazu in unserer Kreativität zu finden.

Ich male z.B. nicht so oft, aber ein paar Mal, da hatte ich so richtig den Moment, da musste es sein. Da hat es gut getan. Ich muss deswegen nicht generell „Maler“ werden wollen. Nein, man darf das einfach mal so, ein, zweimal, so wie es passt – un dann auch drei bis siebzehn Jahre wieder nicht. Inzwischen schreibe ich meist eher – und wer weiss, was ich in 10 Jahren tun will?

Welche Art der Kreativität das ist: VÖL-LIG E-GAL.

Ob Origami, Occhi-Spitze oder Lego: Das geht den Rest der Welt nix an, ob Dein Kreativ-Dings ’sexy‘ ist. Das hier ist Deins. Das hat mit Dir und nur mit Dir zu tun.

Das ist nicht verhandelbar.

Meiner Erfahrung nach bringt kreatives Handeln – wenn man es dann schafft, es sich zu erlauben („unvernünftig“ „Zeitverschwendung“ „hat echt grade keine Priorität“) – mit am besten zu sich selbst und eben zu einem Gefühl von in-sich-aufgehoben und absolut ok sein zurück.

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Inspiration

Dieser Punkt kommt nicht ganz grundlos zum Schluss: Bei mir selbst ‚arbeite‘ ich die obigen Punkte auch meist in dieser Reihenfolge ab. Wahrscheinlich wäre umgekehrt noch effektiver, so allerdings sind sie für mich machbarer – probiert es selbst.


Da gibt’s kein „Richtig oder Falsch“, da gibt’s nur „Funktioniert oder funktioniert nicht“.

Inspiration ist was richtig Effektives. Inspiration ist nämlich in diesen „Zwischendrin“-Situationen der Faktor, der aus der Lücke, aus dem schwammignebligen Zwischendrin, aus der Leere nach vorn, zu der ebenso spannenden wie angsteinflößenden Situation hinführt.

Inspiration baut Zug nach vorn auf, sie ist wie ein Fenster in die neue Welt.

Sie gibt automatisch neue Kraft, weil sie uns zuflüstert: „Schau, so könnte das werden… und WÄRE das nicht ungeheuer cool?“

Wo kriegt man die Inspiration her? Wo findet man sie?

Die Frage ist eher: Wo findet sie Dich? Inspiration funktioniert aus meiner Erfahrung relativ leise, innendrin in Dir. Sie ist wie eine Katze, die sanft um Deine Wade streift und will, das Du mitkommst.

Sie wird nicht laut und penetrant sein.

Deswegen muss man vorher wirklich erstmal all den ‚Noise‘ („was ich cool finden müsste, was andere cool finden, was in meiner Branche als cool gilt etc.“ ) mal aus dem Kopf kriegen. Wenn Du dieses sanfte Zupfen und Um-die-Wade-Streichen also spürst, dann folge ihm ruhig.

Sei nicht geizig mit Zeit oder Geld – Du wirst das wirklich später wieder reinkriegen (solange es nicht völliger Bullshit ist / oder völlig überteuert). Das habe ich z.B. getan, als ich nach einem Knöchelbruch und während anhaltender geschäftsseiter Ratlosigkeit auf die Crea Conference in Genua fuhr – rückblickend ein wesentlicher Meilenstein.

Schmiede Deine eigenen wahnwitzigen Pläne und Agenda für die neue Phase, die ansteht.

Mach es übrigens am besten schriftlich, gönn Dir ein extra Notizbuch nur dafür, mach da Bilder rein und Tickets und was Du willst.

Denk nicht zu viel drüber nach, ob das alles möglich sein wird – rein statistisch: Manches ja, manches nein. Na und? Da bist Du immerhin schon mal ein ganzes Stück weiter als ohne diese Elemente.

Tu schon mal was dafür.

Probier was aus.

Geh auf Events, die in die neue Richtung gehen.

Mach einen Mini-Forschungstrip.

Schmiede einen Plan.

„Als ich die Austern aß mit ihrem starken Geschmack nach Meer und ihrer leichten Ahnung von Metall, den der kühle Weißwein wieder weg wusch, so daß nur noch der Meergeschmack und die fleischige Textur übrigblieb – und als ich dann das kühle Austernwasser aus jeder Schale trank und es mit dem frischen Geschmack des Weins runterspülte, da verlor ich das leere Gefühl und ich fing an, glücklich zu sein und Pläne zu schmieden.“

Ernest Hemingway, A Moveable Feast

Frisch gestärkt in eine neue Phase

So. Jetzt hoffe ich, dass da für meine Freundin was Hilfreiches dabei istund sie bald schon wieder ein gutes, mutiges Gefühl über Ihr neues Leben entwickeln kann. #fingerscrossed

Und für mich selbst mach ich mir meine Liste, was ich anpacke. Gegärtnert wurde am Wochenende schon, ordentlich viel Sport und eine wagemutigere Skitour haben mir in den letzten Wochen ein Gefühl von Stärke gegeben, hier arbeite ich nun endlich wieder mit meinen kreativen Muskeln (also in eigener Agenda, für die Kunden ist das ja ’normal‘). Die Inspirationen, die dürfen jetzt wieder an mir zupfen… und ich verspreche:

„Ja, ich werde unvernünftig genug sein.“

Tipps zum Recherchieren / Googlen

  • Yoga: Alles was mit Wurzel-Chakra-Stärkung zu tun hat und/oder damit den, inneren Abenteurer zu stärken und/oder das Loslasen von Altem. Achtung: Nix zu ‚Fissliges‘ anfangen jetzt – sondern darauf schauen, dass es das Gefühl von Robustheit stärkt.
  • EFT Technik – handfest bei „Gala Darling“
  • Alte Glaubenssätze loswerden: „Wipe the slate clean“

Over to you

Was hat für Dich in solchen Situationen besonders gut funktioniert? Einer oder mehrere diese Punkte? Oder etwas anderes? Teil es gern (und bitte gern auch konkret :)) unten als Kommentar. Andere freuen sich bestimmt über Deine guten Tipps.